Lexika führen meist Kriterien auf, die Lebewesen erfüllen. Je nach Nachschlagwerk stößt man auf Stoffwechsel, Entwicklung, Vermehrung, Motilität und / oder ähnliches. Damit ist aber nur definiert, was uns bekannte Lebewesen kennzeichnet, nicht was Leben ist. Man könnte nun einwenden, dass „die Bedeutung eines Wortes […] sein Gebrauch in der Sprache“ (Wittgenstein) sei. Dann wäre der Zustand des Lebens mit diesen Eigenschaften wohl umschrieben. Denn alles, was wir lebendig nennen, frisst, wächst, vermehrt und bewegt sich irgendwie fort. Doch, so glaube ich, Leben ist mehr als die Summe dieser Eigenschaften. Weil auch, wenn eines Tages ein Roboter entwickelt werden sollte, der autopoietisch, niedrigentropisch und all dies aber eben auch nicht mehr ist, werden wir ihn deshalb nicht zwangsläufig als lebend anerkennen. Nein, Mensch und Tier würden sich noch in einem Punkt von einer derart interessanten Maschine unterscheiden. Und diese Differenz, das ist das Leben.
Leben heißt Bewusstsein. Hinter Mensch und Tier steckt ein wahrnehmendes Ich. Ein Roboter aber handelt bloß nach Algorithmen, nicht bewusst intentional. Hier habe ich diesen Unterschied ausführlicher dargelegt.
# Leben = Bewusstsein = „Ich“.
Ich lebe gerade. Solange „Ich“ bin, lebe ich. Eines Tages werde „Ich“ vermutlich nicht mehr sein. Dann wird man davon reden, dass „Ich“ nicht mehr bin. Diese Definition deckt sich exakt mit unserem Verständnis vom Begriff vom Leben. Naturalistische Menschen meinen, dass das „Ich“ irgendwann schwindet und nur der Körper bleibt. Mit dem Schwinden des „Ich“ ist man tot. Viele Idealisten hingegen meinen, dass das „Ich“ nach dem Loslösen vom zerfallenden Körper fortbesteht. Mit dem Fortbestehen des „Ich“ ist man lebendig.
Alle anderen mir bekannten Definitionen versagen. Der medizinische Tod ist nicht mit dem Ende des Lebens gleichzusetzen. Viele Menschen waren medizinisch totgesagt und kamen wieder zurück und wie Nahtoderfahrungen u.Ä. belegen, gibt es auch nach dem medizinischen Tod Erfahrungen des „Ich“. Nach dem anfangs erwähnten Definitionen könnte einem gottähnlichen, bewussten, immateriellem Wesen im Falle seiner Existenz kein Leben zugeschrieben werden. Vielleicht kann es kein immaterielles Leben geben. Vielleicht müssen all die anfangs erwähnten Kriterien bei einem Leben erfüllt sein und deshalb entsprechen sie auch allen uns bekannten Lebewesen. Aber wie der Robotervergleich zeigt, machen diese Eigenschaften noch kein Leben aus. Sie bedingen es vielleicht, nicht mehr.